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Öffentliche Debatte zur Kunst aus der DDR in den Staatlichen Kunstsammlungen

Die Aufarbeitung von Kunst und Künstler/innen, die in der DDR wirkten, ist notwendig und wichtig. Paul Kaisers Auftakt zu einer Debatte in der Sächsischen Zeitung „Wende an den Wänden – Das Albertinum entsorgt die ungeliebte Kunst aus der Zeit der DDR ins Museumsdepot“ greift die Diskussion allerdings nur von der politischen und historisierenden Seite an.

Schon 2010 stellten wir in kunstinform aus Anlass der von Kaiser mitverantworteten Dresdner Ausstellung „Ohne Uns! Zur alternativen Kultur vor und nach ‘89“ fest, dass mit ideologischen Frontlinien von Konformität oder Nonkonformität die Einordnung von in der DDR entstandener Kunst in größere kunsthistorische Zusammenhänge nicht gelingt und durch eine unangemessene Politisierung die ernsthafte Verbindung zur Gegenwart vor kunstimmanenten Fragestellungen blockiert wird.

Die aktuelle Ausstellung des Albertinums „Geniale Dilettanten“ hat die Betrachtung der künstlerischen Formen im subkulturellen Feld vor einem gesamtdeutschen Blickpunkt (und weniger nach ihrer Entstehungssituation) sehr gewissenhaft in Angriff genommen und damit die (inoffizielle) Kunst eben nicht nur historisch betrachtet, sondern in den künstlerischen Programmen fachlich aufzuarbeiten versucht.

Was dem Feld der in der DDR entstandenen Kunst fehlt, ist gerade die fachliche Debatte. Für deren Beförderung hat Hilke Wagner in ihrer Entgegnung in der SZ, die leider viel Raum ihrer Verteidigung widmen musste, ein ausdrückliches Plädoyer gehalten und Verantwortung deutlich gemacht. Die Forderung nach Berücksichtigung der Ost-Perspektive, die seinerzeit z.B. bei Antritt meines Soziologie-Nebenfach-Studiums in Dresden 1992 bei der Neuberufung der Professoren dezidiert aufgeworfen wurde, hat sich auch und v.a. durch den Außenblick in diesem Fach insgesamt produktiv eingelöst, noch nicht aber für die zeitgenössische Kunstwissenschaft. Eine heute angemessene aktuelle Vermittlung und Würdigung von DDR-Kunst nach ihren künstlerischen Kriterien funktioniert nicht ohne die Kenntnis der „Westkunst“. Eine DDR-Biografie muss hier nicht Bedingung sein und das ist es auch nicht, was den Künstler/innen not tut. Dass ein Desiderat bei der Aufarbeitung auf der kunstwissenschaftlichen und Vermittlerseite besteht, das in den letzten beiden Jahrzehnten nicht genug Kapazitäten freigab, um künstlerische Qualitäten zu erkennen, zu befördern und sichtbar zu machen, ist unbestreitbar und hat nicht mit Herkünften, wohl aber mit mangelnden infrastrukturellen Kapazitäten auf der Kunstvermittlungsseite im Osten zu tun.

Die Planung einer Neuordnung im Albertinum und die Auflösung von schierer Masse und Mischung für einen genauen und konzentrierten Blick spricht durchaus für Ernsthaftigkeit, um das Einzelne mit fachlichem Fokus zu verdichten und in der Konzentration näher heran zu holen. Das ausdrücklich formulierte Interesse mit fachlich unvoreingenommenem Blick sowohl von Hilke Wagner als auch von Marion Ackermann sind eine gute Aussicht in Richtung einer induktiven Herangehensweise der Präsentation eines ausgewählten Kunst-/Künstlerwerks vor dem Kunstfeld insgesamt – denn das ist es, was die Staatlichen Kunstsammlungen aus der Fülle der Bestände heraus leisten können.

Ein produktives Zeichen ist gewiss auch, dass staatlicherseits auf außermusealem Weg der kunstwissenschaftlichen Begleitung, Betreuung und Ordnung von Künstlerwerkbeständen, die in der DDR Zeit gewachsen sind, jetzt zunehmend mehr Augenmerk gewidmet werden soll, nachdem die Künstler zu lange ohne ausreichenden infrastrukturellen Hintergrund sich weitgehend selbst überlassen blieben. Als Ergebnis einer Sensibilisierung der politischen Verantwortungsträger für die Künstlernachlassthematik vollzieht sich diesbezüglich momentan eine Konstituierungsphase auch hinsichtlich der Bereitstellung von entsprechenden Finanzmitteln.
Wer für die Ordnung seiner Werkbestände kunstwissenschaftliche Hilfe benötigt, kann sich bereits ab sofort an die Geschäftsstelle des Landesverbandes wenden.

Dass sich das Thema der notwendigen öffentlichen Darstellung und Betrachtung zeitgenössischer Kunst jedoch nicht v.a. auf den Zeitabschnitt der Nachkriegs-, bzw. DDR-Zeit beziehen kann und auch für die jüngere Kunst eine Verantwortung zur Aufarbeitung und Vermittlung vakant ist, hat der Vorsitzende des Fördervereins für die Galerie Neue Meister der SKD Axel Bauer in seinem Beitrag zur Debatte sehr zutreffend formuliert.

Lydia Hempel