Open Call Nordost Südwest

Ausschreibung für künstlerische Beiträge zu einem transnationalen Projekt zeitgenössischer Kunst mit Ausstellungen und Kunstprojekten im Stadtraum in Dresden

Nordost Südwest ist ein Projekt in kuratorischer Zusammenarbeit des Kunsthaus Dresden mit HELLERAU Europäisches Zentrum der Künste, dem Beirut Art Center, Beirut, der Revizor Foundation/KRAK, Bihać, dem Performing Arts Institute, Warschau.

Das Projekt Nordost Südwest ist dem ältesten und zugleich immer noch aktuellen und über Existenzen und Lebensperspektiven entscheidenden Orientierungsverfahren der Menschheit gewidmet. In unserem globalen, politischen und kulturellen Koordinatensystem waren die Himmelsrichtungen schon immer in Bewegung. Spätestens seit dem Brexit oder der Präsidentschaft Trumps, sind wir unsicher geworden, was gemeint ist, wenn wir vom Westen sprechen. Während der ‚alte Osten’ und der ‚neue Westen’ sich je nach Perspektive und Abstand zu den Ereignissen mythisch oder diabolisch verklären, ist mit den Begriffen des globalen Südens und des globalen Nordens längst die Bedeutung älterer Beziehungs- und Konfliktlinien deutlich geworden. Sicher geglaubte Orientierungsmarken verlieren ihre Bindekraft, neue Anziehungspunkte gewinnen an Stärke. Bleibt der ‚Westen’ Sinnbild für die Freiheit des Individuums und die offene Gesellschaft oder bezieht sich diese Orientierung schon seit langem auf eine ganz andere Konstellation von Akteur:innen? Lassen sich Werte an Himmelsrichtungen oder Nationalstaaten festmachen oder bedürfen diese eines Austausches von einzelnen Akteur:innen und Gruppen jenseits von nationalen Strukturen?

Gemeinsam ist den Partner:innen in Beirut, Bihać, Warschau und Dresden, dass sie in einem gesellschaftlichen Umfeld tätig sind, in dem parallel zu allen Neuanfängen auch politische Koordinaten und vergangene Beziehungssysteme eine geisterhafte Präsenz behalten. Sie hören nicht auf zu existieren, sondern setzen sich im Denken, Fühlen und Handeln einzelner fort - so, wie das Wissen um alte Koordinaten dennoch Teil eines neugeordneten Orientierungssystems bleibt. Gemeinsam ist den Partner:innen auch das Interesse daran, mit kuratorischen und künstlerischen Methoden der zeitgenössischen Kunst Fäden zu spinnen, zwischen alten und neuen Orientierungspunkten, realen Strukturen und den Eckpunkten zukünftiger gesellschaftlicher Formationen. Fäden einer neuen, gemeinsamen Interpretation von positiven Erfahrungen und Traumata, aber auch Netzwerke der Solidarität und des gemeinsamen Neuanfangs und Handelns.

ZIEL

Das Ziel der Ausschreibung ist es, zeitgenössische Kunst- und Kulturprojekte im öffentlichen Raum zu fördern, um so die Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und den Dialog über kulturelle, soziale und politische Thematiken zu öffnen. Kunst im öffentlichen Raum soll Diskussionen auslösen und ein integrativer Bestandteil bei der Entwicklung von Perspektiven sein.
Den künstlerischen Formaten sind dabei keine Grenzen gesetzt. Es werden sowohl permanente skulpturale Kunstprojekte, temporäre Interventionen sowie partizipative, performative und dialogische Formate im öffentlich städtischen Raum gefördert. Besondere Beachtung finden Projekteinreichungen, die ortsspezifisch angelegt sind und welchen vermittelnde Formate inhärent sind. In diesem Sinne sind die Spielorte der Projekte so vielfältig wie die Projekte selbst und eröffnen die Möglichkeit, Kunst über die Grenzen von Kulturinstitutionen hinaus erfahrbar zu machen.

ZIELGRUPPE

Die Ausschreibung richtet sich an Arbeitsgemeinschaften aus Akteur:innen der freien Szene, Kunst- und Kulturschaffende aus Dresdner Projekträumen und professionell arbeitenden Künstler:innen und Künstler:innenkollektive sämtlicher Kunstsparten, die aus Dresden stammen, hier leben oder deren Arbeiten einen thematischen Bezug zur Stadt aufweisen. Im Mindesten müssen ein/e Künstler:in und ein Projektraum gemeinsam in einer Arbeitsgemeinschaft vertreten sein.

DOTIERUNG

Auf der Basis der eingereichten Projekte werden vier Projekte zur Realisierung und Zusammenarbeit im Rahmen von Nordost Südwest ausgewählt. Die Zusammenarbeit wird jeweils in einer Höhe bis zu 10.500 € gefördert. Die Höhe des Budgets obliegt der Gesamtförderung des Projektes Nordost Südwest. Es laufen zusätzliche Fördermittelanträge. Im Rahmen des Budgets soll eine umfangreiche künstlerische Präsentation/Intervention und die Bereitstellung des Projektraumes für die Zusammenarbeit mit der Schenkung Sammlung Hoffmann abgedeckt werden. 

In der Summe enthalten sind Honorare für Künstler:innen und Akteur:innen der Orte der Freien Szene, Produktionskosten, Honorare für Auf/Abbau sowie die Bewachung der eigenen Räumlichkeiten, und ein Budget für Öffentlichkeitsarbeit. Eventuell anfallende Fahrt- und Übernachtungskosten, Transportkosten, Kosten für Wartung und Stromversorgung sowie Genehmigungsgebühren sind ebenso durch das Budget zu decken.

JURY

Die Jury wird aus den unabhängigen Vertreter:innen der internationalen Partnerinstitutionen in Beirut, Bihać und Warschau sowie einer Vertreterin der Schenkung Sammlung Hoffmann der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Künstlerischen Leiterin des Kunsthaus Dresden gebildet und wählt aus den eingereichten Projekten aus und erarbeitet einen Fördervorschlag. Eine Vorprüfung der Einreichungen wird durch die Mitarbeiter:innen des Kunsthaus Dresden durchgeführt.

MITGLIEDER DER JURY

Grzegorz Reske (Artistic Director Performing Arts Institute, Warschau), Irfan Hošić (Artistic Director Center for Contemporary Culture KRAK, Bihać), Haig Aivazian (Artistic Director Beirut Art Center, Beirut), Dr. Dorothée Brill (Leiterin Schenkung Sammlung Hoffmann (Staatliche Kunstsammlungen Dresden), Silke Wagler (Leiterin Kunstfonds - Staatliche Kunstsammlungen Dresden), Elisabeth Kefta (Assistentin der Programmleitung Performing Arts, HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste), Christiane Mennicke-Schwarz (Künstlerische Leitung Kunsthaus Dresden)

 

Genre

Kunst im öffentlichen Raum

Kategorie

Ort

Dresden, Beirut, Bihać und Warschau

Einzureichen

EINREICHUNGSUNTERLAGEN

Betreff „Nordost Südwest Open Call“ bitte ausschließlich via Email an: ariane.graf@kunsthausdresden.de

Zum geplanten Projekt

  • Ausführliche Projektbeschreibung inklusive Erläuterung zum anvisierten Ort im öffentlichen Raum oder neu zu erschließenden Raum, Skizzen zu Vermittlungsformaten (max. 3 Seiten Fließtext DIN A4) Visualisierung in Form von Skizzen, Renderings oder Modellfotos.
  • Kosten- und Finanzierungsplan (projektbezogene Kommunikationsmittel, Reise- und Unterbringungskosten, Honorare, Material- und Produktionskosten, Vermittlungsformate … )
  • Zeitplan für die Umsetzung des Projekts

Zu den Bewerber:innen

  •  Name, Adresse, E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Kontodaten der Einreicher:innen, Benennung einer Ansprechperson
  • Kurze, schlaglichtartige Vorstellung des eigenen Ausstellungs- oder Projektraumes, Dokumentation bisheriger kuratorischer und/oder künstlerischer Tätigkeiten (max. 2 Seiten Fließtext)

Die Unterlagen sind im Dateiformat PDF (maximal zwei Dateien) mit maximal 8 MB einzureichen.

Bewerbungen müssen in englischer Sprache erfolgen.

EINREICHFRIST

15.12.2021, 24:00 Uhr

Später abgeschickte Bewerbungen können nicht berücksichtigt werden.

BEKANNTGABE JURYENTSCHEIDUNG

Voraussichtlich Januar 2022

ZEITRAUM PROJEKTPRÄSENTATION

Zum jetzigen Zeitpunkt der Planung ist es schwierig, die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Projekt abzusehen, dass im September und Oktober 2022 stattfinden soll. Wir versuchen die Unwägbarkeiten der Entwicklung in unsere Planungen einzubeziehen und alternative Strategien in der Realisierung mitzudenken.

RECHTSGRUNDLAGEN

Aus der Einreichung entsteht kein Rechtsanspruch auf Förderung. Die Entscheidung der Jury kann nicht beeinsprucht werden. Die Zuerkennung der Fördermittel und die Abwicklung des Förderverfahrens obliegen dem Kunsthaus Dresden im Rahmen der geltenden Förderrichtlinien. Die Realisierung der geförderten Projekte muss entsprechend dem Projektzeitplan erfolgen.

Die Realisierung der Projekte kann nur erfolgen, wenn die öffentlich-rechtlichen Genehmigungen zur Umsetzung der Projekte im öffentlichen Raum erteilt wurden.

Der/Die Einreicher:in erklärt sich damit einverstanden, dass ihr/sein Name sowie eingereichtes Bildmaterial, Skizzen oder andere Visualisierungen z. B. für Medienberichte oder die Homepage des Kunsthaus Dresden veröffentlicht werden dürfen.

AUGENMERK

Sensibilität bezüglich Genderfragen und gesellschaftlichen Ausschlussmechanismen bei Konzeption und Umsetzung des Projekts sollen berücksichtigt, barrierefreie Zugänge zum jeweiligen Projekt sollen im Konzept bereits mitgedacht werden.

KONTAKT
Richten Sie ihre Fragen gerne an Ariane Graf: ariane.graf@kunsthausdresden.de

Einreichungsfrist

15.12.2021