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Interview mit Herrn Uwe Gaul, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Uwe Gaul (SPD) ist Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Herr Gaul meldete sich schon gleich nach seinem Amtsantritt zum Besuch und Gespräch in den Geschäftstellen aller Landeskulturverbände an. Dieser enge Kontakt und Austausch zeichnet den Kontakt mit dem SMWK in den letzten Jahren aus. Für den aktuellen Doppelhaushalt hat das SMWK einen beachtlichen Mittelaufwuchs auch zugunsten der Kulturförderung durchsetzen können. Wir sprachen mit Staatssekretär Gaul über das Erreichte und weitere Perspektiven.

Landesverband Bildende Kunst Sachsen:
Herr Gaul, die Gespräche und Begegnungen von Ministerium und Staatlichen Kunstsammlungen mit den Künstler*innen haben durch die Bemühungen des SMWK merklich zugenommen. Auch die Fördergegenstände haben mit dem neuen Doppelhaushalt eine Erweiterung erfahren - wie für den Bereich Künstlernachlässe, aber auch für Präsentationsmöglichkeiten in Form der neu eingeführten „Gastspielförderung“ und der erweiterten Konzeptförderung für Kunsträume bei der Kulturstiftung. Was wäre noch schaffbar zur Unterstützung des Kunstfeldes?
 
Staatssekretär Uwe Gaul:
Zunächst freue ich mich, dass Sie unsere bisherigen Bemühungen um die Unterstützung der sächsischen Künstlerinnen und Künstler hervorheben. Denn es ist in der Tat so, dass wir uns in dieser Legislaturperiode für die bildende Kunst in Sachsen stark machen. Wir haben einige neue und wichtige Akzente gesetzt. Mit der Präsentation sächsischer Kunst im Rahmen von Ausstellungen im Kunstministerium schaffen wir eine Möglichkeit für den Dialog mit Kulturinteressierten.
Durch das Format der Kunstgespräche auf regionaler und zentraler Ebene zusammen mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden schaffen wir außerdem Foren für eine sich intensivierende Zusammenarbeit und für eine basisnahe Erarbeitung eines Entwicklungskonzeptes.
Wir unterstützen auch und gerne die Arbeit des Landesverbandes Bildende Kunst Sachsen, der für die Kunstschaffenden im Freistaat eine wichtige Funktion übernimmt.  
Ich begrüße sehr, dass die Abgeordneten des Sächsischen Landtages diesem Thema ihre Aufmerksamkeit widmen und dafür Geld zur Verfügung stellen. Die bildenden Künstlerinnen und Künstler unterbreiten im ganzen Land wichtige Angebote für die Auseinandersetzung mit Kunst und damit für die Kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen. Ich gehe davon aus, dass es mit der Kulturstiftung gelingt, den Landesverband bei der Konzeptförderung für Kunsträume zu unterstützen.
Auch die Entwicklung und Umsetzung eines Konzepts für den Umgang mit Künstlernachlässen liegt uns sehr am Herzen. Da ist Sachsen aus meiner Sicht bundesweit führend. Besonders die Werkdatenbank ist vielversprechend und beispielhaft für ganz Deutschland.
Man kann, so glaube ich, berechtigt feststellen, dass einiges aufs Gleis gesetzt wurde und der Zug damit in die richtige Richtung fährt. Es ist gut und wichtig, dass alle Beteiligten hier an einem Strang ziehen. Letztendlich geht es bei allem darum, die Kunst in Sachsen und damit auch die Künstlerrinnen und Künstler zu fördern, denn sie sind eine ganz wichtige Säule im Kulturland Sachsen. Und das geht am besten gemeinsam.
 
Landesverband Bildende Kunst Sachsen:
Ausbaufähig sind zum einen die Nutzung der Potenziale, die Künstler*innen für das gesellschaftliche Leben anzubieten haben, und zum anderen ihre angemessene Vergütung, wo die Künstlerexistenz immer schwerer zu sichern ist. Wie könnte staatlicherseits sowohl zur Freiheit der Kunstentstehung als auch zur Steuerung eines Qualitätsmarktes unter kulturellen und Bildungsmaßstäben beigetragen werden, was entfesselten Markkriterien der Billigkeit und besten Verkäuflichkeit entgegenarbeitet?
 
Staatssekretär Uwe Gaul:
Ja, es ist auch noch einiges ausbaufähig. In erster Linie schafft der Staat die Rahmenbedingungen, die die Kunst mit der ihr mit Verfassungsrang zugestandenen Freiheit ausfüllt. Das ist eine wichtige Errungenschaft, die in der deutschen Geschichte keineswegs immer selbstverständlich war und in der Gegenwart wieder bedroht scheint, wenn ich mir die Äußerungen einiger politscher Akteure genauer anschaue. Im Unterschied zu anderen Bereichen kann die öffentliche Hand durch Kunstförderung qualitätssichernd in den Markt eingreifen. Sie muss das mit der gebotenen Achtsamkeit tun, um nicht übergriffig oder willkürlich zu sein. Eine politische Institution wie die Sächsische Staatsregierung tut gut daran, sich der Sachkunde von ausgewiesenen Expertinnen und Experten zu versichern. Es gibt zudem eine Vielzahl von Maßnahmen, die für selbstverständlich gelten – von Ausbildung in unseren Kunsthochschulen über Stipendien, Projekte, Preise bis zur Künstlersozialkasse. Der Landesverband Kultur- und Kreativwirtschaft mit seinem Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft Sachsen ist für uns ein neuer wichtiger Akteur. Es liefert eine wichtige Unterstützung bei der Balance von Kultur und Markt. Wir wollen, dass Künstlerinnen und Künstler so ausgebildet werden, dass sie auf dem Markt eine Chance haben. Und wir sprechen uns eindeutig dafür aus, dass das Thema angemessene Vergütung verstärkt angegangen wird. Aus meiner Sicht sollte der Staat dies auf jeden Fall dort tun, wo er selbst der Handelnde ist beispielsweise im Bereich der Ausstellungsvergütung oder bei Kunst am Bau. Hier ist schon viel passiert und wir werden in unseren Bemühungen auch nicht nachlassen. Dass wir als Lobbyist der Künstlerinnen und Künstler im Freistaat Sachsen dafür auch Verbündete brauchen, ist klar. Aber wie gesagt, erste Schritte (z. B. bei den Vergütungen) sind wir in unserem Verantwortungsbereich gegangen und andere werden wir konsequent weiter verfolgen. Das sind zum Teil dicke Bretter, aber wir werden hier nicht nachlassen, wenn wir dazu auch zukünftig den Auftrag haben. Und ich bin mir da ganz sicher, wir können und wir müssen gemeinsam für die bessere Absicherung der Existenz von Künstlern einiges bewegen.
 
Landesverband Bildende Kunst Sachsen:
Das Kulturraumkonzept ist ein allseits gerühmtes Modell. Wie kann die Entscheidungshoheit der Kulturräume auch evaluiert und Wertungsmaßstäbe geltend gemacht werden, um im Sinne der gesamtsächsischen Kunstentwicklung überregionaler Bedeutsamkeit unabhängig von möglichen regionalen Eigeninteressen weiter voranzuhelfen?
 
Staatssekretär Uwe Gaul:
Ja, das Kulturraumgesetz ist eine sächsische Errungenschaft, um die uns wirklich viele beneiden. Es sichert für Sachsen flächendeckend die Kulturfinanzierung in der ganzen Breite und sichert zudem die regionale Verantwortung. Nicht das SMWK entscheidet über regional bedeutsame Kulturentwicklungsprozesse, sondern die Menschen, die Verantwortlichen vor Ort. Mit der Verstetigung hatte das SMWK den Auftrag, eine Evaluierung des Kulturraumgesetzes durchzuführen, an der die unterschiedlichen Kulturakteure beteiligt wurden. Daraus sind auch konkrete Weiterentwicklungsempfehlungen abgeleitet worden, die dem Landtag unterbreitet wurden. Gemeinsam mit den Kulturräumen wurde ein Prozess zur Entwicklung kulturraumübergreifender Förder- und Qualitätsstandards angestoßen. Fördervoraussetzungen und -schwerpunkte der einzelnen Kulturräume wurden gegenübergestellt und ausführlich diskutiert. Aber natürlich steht das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst auch in Verantwortung für eine gesamtsächsische Kunstentwicklung. Üblicherweise tun wir dies durch die Erarbeitung und Verabschiedung von landesweit gültigen Konzepten und durch finanzielle Anreizsysteme. Der Verantwortung stellen wir uns gern aber gern auch in Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort und in engem Austausch mit den Landeskulturverbänden.

Landesverband Bildende Kunst Sachsen:
Was kann das SMWK im Bereich Kulturelle Bildung tun, um die Angebote „bildender“ Künstler*innen zu einer breiteren Anwendung und Unterhaltssicherung zu bringen?

Staatssekretär Uwe Gaul:
Insgesamt – und darauf sind wir alle wirklich stolz – ist uns in dieser Legislatur ein deutlicher Sprung im Bereich der Kulturförderung, besonders im Bereich der Kulturellen Bildung, gelungen. Und wenn ich von Sprung rede, dann denke ich natürlich auch an Geld. Wir haben für die Jahre 2019/2020 einen Rekordhaushalt im Kulturbereich und damit viele Möglichkeiten zur Kulturförderung, aber auch zur Förderung der Kulturschaffenden. Die Zuschüsse für die allgemeine Kunst- und Kulturförderung steigen von jetzt neun Millionen Euro um je etwa 3,8 Millionen Euro in den nächsten beiden Jahren.

Das SMWK unterstützt die Kulturräume mit mehr Mitteln für Maßnahmen zur Stärkung der Kulturellen Bildung. Damit sollen zum Beispiel die Netzwerkstellen „Kulturelle Bildung in den Kulturräumen“ strukturell gestärkt werden. Für ihre Arbeit stehen jährlich 450.000 Euro statt bisher ca. 240.000 Euro zur Verfügung. Damit ist auch das neue landesweite Konzept für Kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen finanziell gut untersetzt. Ausstellungsvergütung, Kunst am Bau, Kulturprojekte, Mitwirkung in der Kulturellen Bildung, Ankäufe sächsischer Kunst über den Kunstfonds, Präsentationsmöglichkeiten -all das sind Mosaiksteinchen zur Finanzierung und Unterhaltssicherung bildender Künstler. Wichtig ist mir, dass sich diese Bestandteile perspektivisch in ein Ganzes, in ein umfassendes Förderinstrument für die Bildende Kunst im Freistaat Sachsen, zusammenführen lässt. Dazu braucht es engagierte Menschen und den Dialog. Den haben wir angestoßen zusammen mit den SKD, dem Landesverband Bildende Kunst Sachsen e.V. und mit Kunstschaffenden im Freistaat. Ich bin zuversichtlich, was die Weiterentwicklung anbelangt und allen, die daran mitwirken sehr dankbar.