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Maßnahmenplan zur strukturellen Förderung des bildkünstlerischen Lebens im Freistaat Sachsen

Im aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung heißt es, dass „gerade in Zeiten des Wandels eine starke und vielfältige Kunst- und Kulturszene sowie eine moderne und ermöglichende Kulturpolitik unverzichtbar sind“, um „Kraft, Verständnis und Verständigung zu fördern, durch die wir souveräner im Umgang mit Konflikten und Bewährungsproben sind“. Als Landesverband Bildende Kunst Sachsen sehen wir es nicht nur vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen sondern auch für die fachliche Weiterqualifizierung und Unterstützung der höchst prekär arbeitenden Träger bildender Kunst als dringend geboten an, Vorschläge für die Stabilisierung und Verbesserung eines dynamischen Kunstlebens in Sachsen und die Situation seiner Akteure zu entwickeln, um damit einen produktiven Hintergrund für Kunstschaffende zu bieten.

Dabei sind sowohl kurzfristige als auch langfristige Maßnahmen notwendig, um eine Sicherstellung und Verbesserung der Situation für die bildende Kunst in Sachsen zu gewährleisten. Ein Entwicklungsplan, der die dauerhafte Stärkung der Arbeit im Bereich der bildenden Kunst und ihrer Protagonisten in Sachsen anstrebt, muss unseres Erachtens nachhaltige Schritte für die Verbesserung der Sichtbarkeits-, Wirkungs- und Nutzungsstrukturen künstlerischer Angebote einleiten. Dafür erscheinen dem LBK folgende kurzfristige Maßnahmen besonders zielführend, die auch eine weiterreichende Wirkung haben und mehrere Zielsetzungen gleichermaßen unterstützen:

1) Umwandlung der Richtlinie K7 (Kunst am Bau) von einer Soll- in eine Muss-Bestimmung

Die Richtlinie, nach der „in der Regel“ bei Großen Baumaßnahmen Leistungen an bildende Künstler zu vergeben sind, soll für die Bauverwaltung verpflichtend und zu einer Muss-Bestimmung werden. Künstlerische Arbeiten, genutzt und eingebunden in Bauvorhaben, können im Sinne der Baukultur je vitale Akzente in Architektur- und Nutzungszusammenhängen setzen und sind sowohl gestalterisch als auch für lokale Wahrnehmungs- und Handlungsräume sensibel und bereichernd für das öffentliche Lebens. Kunst am Bau kann einerseits öffentliche Bauten diskursiv verlebendigen, andererseits ist sie ein wichtiges Werkzeug zur Nutzung und Förderung von bildenden Künstlern und ihrer Arbeit. Zur besseren Darstellung dieser Leistungen soll außerdem eine Erweiterung und Nutzung der SLUB-Werkdatenbankgrundlage für eine fortlaufende online- Präsentation des Kunst am Bau/ Kunst im öffentlichen Raum-Engagements in Sachsen realisiert werden, die die Präsentation der Kunst am Bau-Ergebnisse in Sachsen innerhalb eines breiteren Überblicks leisten kann (im Anschluss an die Datenbank Kunst in Sachsen seit 1990 und als deren Optimierung). 

2) Ausstellungsvergütung

Die fachgerechte Leistungsvergütung für Ausstellungen bildender Kunst soll für staatliche Stellen und öffentlich geförderte Ausstellungsträger landesweit festgeschrieben werden analog zu sonstiger Sachverständigenvergütung. Für nicht staatlich geförderte Ausstellungsprojekte soll ein Fonds geschaffen werden, wo die Bereitstellung von Ausstellungshonoraren beantragt werden kann.

3) „Regionalexperten Bildende Kunst“

Zur Unterstützung von Akteuren und Projektvorhaben bildender Kunst sollen Entwicklungs- und Projektbegleiter eingesetzt werden, die in lokal verorteter Fachlichkeit eine notwendige Unterstützung der künstlerischen Angebots- und Nachfrageentwicklung leisten. Diese Regionalexperten Bildende Kunst unterstehen dem LBK und sollen sowohl lokale Künstler und Kunstinitiativen längerfristig beratend und initiativ begleiten, als auch in Kommunen und Kulturraum eng vernetzt sein, um Kooperationen vor Ort anzustoßen. Die Einrichtung solcher Stellen wird einerseits Künstler in Ihren Verdienst- und Wirkungsmöglichkeiten unterstützen, als andererseits in Erweiterung kultureller Teilhabe und Vielfalt publikumsbildend wirken und neben der Kunst selbst auch den gesellschaftlichen Diskurs fördern.

4) Atelierräume

Es sollte geprüft werden, ob und inwieweit der Freistaat Gebäude aus Staatsbesitz in Verbindung mit einer Mietförderung für Atelierräume zur Verfügung stellen kann, so dass die geforderten regulären Mieteinnahmen nominell gesichert bleiben.

5) Konferenz der Akteure

Die Durchführung regionaler „Konferenzen der Akteure“ in Kooperation von LBK und SMWK soll als initiierende Begegnungs- und Vernetzungsmöglichkeit für künstlerische Akteure in Sachsen bereits bestehende regionale Initiativen zusammenbringen und zur Netzwerkbildung zwischen Künstler*innen, Galerien, Kunsträumen, Kurator*innen, Museen und weiteren kommunalen und regionalen Protagonisten und zur breiten Zusammenarbeit anregen. (Erste Konferenz im Kulturraum Meißen/ Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge).

6) Auflage von Projektförderfonds

Die Ausweitung von spezifischen Projektfördermöglichkeiten bei bestehenden Fördereinrichtungen sind besonders für folgende Bereiche wichtig: a) für Kooperationen b) für Kurator*innen für Ausstellungen im ländlichen Raum. c) Stärkung von Künstlerhäusern 3 landesverband bildende kunst sachsen e.v.

7) Stärkung der kulturellen Bildung

Ein verstärktes Augenmerk soll sich auf die künstlerische und kulturelle Jugendbildung in ortsgebundenen Bildungsangeboten (z. B. Jugendkunstschulen) ebenso wie in mobilen Projekten richten; hier wäre aus praktischen Erwägungen eine Anbindung von Jugendkunstschulen an die Strukturen von Musikschulen sinnvoll, die auch mithilfe einer expliziten Ausweitung der „FörderRL Musikschulen/Kulturelle Bildung“ auf Jugendkunstschulen und kunstpädagogische Einrichtungen praktisch werden kann. Für qualifizierte GTA Angebote im Bereich der bildenden Kunst sollte eine Rahmenvereinbarung durchgesetzt werden.

8) Regelmäßige Zusammenarbeit und Gespräche mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und regionalen Künstlern

Fortgesetzt werden sollen Gespräche und Zusammenarbeit zwischen Staatlichen Kunstsammlungen und regionalen Künstlern.

9) Präsentationen sächsischer Kunst

Die zeitgenössische bildende Kunst soll in regelmäßigen Ausstellungsformaten gezeigt und gestärkt werden, wie in Fortsetzung der begonnenen Ausstellungsreihen „Sichtweisen“ und im Ministergang im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst oder auch in weiteren Ausstellungsräumen wie z.B. im Lipsius-Bau der Staatlichen Kunstsammlungen.