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Offener Brief – Für die Freiheit von Kunst und Wissenschaft

an alle, die in Kunst und Wissenschaft tätig oder diesen Feldern verbunden sind

als Landesverband Bildende Kunst Sachsen sind wir Erstunterzeichner des Offenen Briefes – Für die Freiheit von Kunst und Wissenschaft der Reinigungsgesellschaft 

Die Gruppe der Erstunterzeichnenden ist nun vollständig, dabei handelt es sich um:

  • BBK – Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler
  • berufsverband bildender künstler*innen berlin
  • Landesverband Bildende Kunst Sachsen
  • riesa efau Kultur Forum Dresden
  • Marino Zerial; Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik

Nun wird der Brief für weitere Unterzeichnende geöffnet, das Ziel der Unterschriftenliste ist eine breite Solidarisierung der Unterzeichnenden. Wir hoffen, dass unser gemeinsames Handeln für eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit sorgt und die wichtige gesellschaftliche Debatte zur Freiheit von Kunst und Wissenschaft belebt und in Gang hält.

Hier finden Sie die Unterschriftenliste, wir würden uns freuen, Sie als Unterzeichnende*n zu gewinnen.

Offener Brief – Für die Freiheit von Kunst und Wissenschaft

an alle, die in Kunst und Wissenschaft tätig oder diesen Feldern verbunden sind

Die gesellschaftlichen Entwicklungen in Europa und der Welt werden von einem erstarkenden Nationalismus und Rechtspopulismus erschüttert. Als bildende Künstler der Projektgruppe REINIGUNGSGESELLSCHAFT sorgen wir uns um die demokratische Zukunft unserer Gesellschaft. Die schleichende Akzeptanz für neuen Autoritarismus und Fremdenfeindlichkeit bis in die Mitte der Gesellschaft muss gestoppt werden. Wir lehnen Tendenzen der Einengung, Spaltung und Fragmentierung der Gesellschaft ab. Wir warnen vor einem Rückfall in isolationistische, antidemokratische und minderheitenfeindliche Denkweisen. Die Freiheit von Kunst und Wissenschaft ist in Gefahr! Forschung und Kunst brauchen Weltoffenheit, Neugierde und Toleranz.
Im Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes heißt es: „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“ Heute gilt es, für diese Freiheiten einzutreten. Das bedeutet, Verantwortung für die Unbeschränktheit von Kunst und Wissenschaft zu übernehmen. Angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen, ist dafür ein fachübergreifendes Miteinander notwendig. Wir sind aufgefordert, unser künstlerisches und wissenschaftliches Handeln als Teil einer Wertedebatte zu begreifen, welche für das zukünftige geistige und kulturelle Klima Verantwortung zeigt. Es liegt in unseren Händen, für die offene Gesellschaft einzutreten und die Ausrichtung der öffentlichen Debatten in Richtung mehr Mitmenschlichkeit und Differenziertheit zu ändern. In Zeiten eines globalen, gesellschaftlichen Strukturwandels ist es dringend notwendig, demokratische Werte und die offene Gesellschaft zu stärken. Wir lehnen es ab, künstlerische bzw. wissenschaftliche Arbeit und eine engagierte Haltung in der gesellschaftlichen Debatte als Widerspruch zu betrachten. Jede Stimme gegen hartherziges, abweisendes und rechtslastiges Gedankengut zählt. Gefragt sind Kreativität, Ideenreichtum und Beweglichkeit! Nutzt Eure Sinne und nehmt die Farben, Geräusche, Gerüche, Tastreize und Geschmäcker innerhalb und außerhalb der Labore und Ateliers wahr! Dadurch bereichern wir unsere Möglichkeiten und Argumente!
Wir prangern diejenigen an, die behaupten zu regieren, dies aber nicht tun, indem sie eine schleichende rechtslastige Unterwanderung öffentlicher Institutionen zugelassen haben. Wir haben genug erschreckende Beispiele dafür erlebt, dass Teile der demokratischen Einrichtungen zur Bedrohung der Demokratie geworden sind. Wir haben auch genug von der Scheinheiligkeit von Populisten, welche unter dem Deckmantel der Demokratie nach einer autoritären Herrschaft streben. Diejenigen, die behaupten, eine Gesellschaft mittels Autoritarismus und Ausgrenzung gestalten zu müssen, haben Angst. Sie haben Angst vor Selbstbestimmung, Emanzipation und dem Risiko einer schöpferischen Lebensgestaltung. Sie suchen falsche Sicherheiten, kapseln sich ab und verlieren die Fähigkeit zu Empathie und Solidarisierung. Wir können und müssen das besser machen!
In Kunst und Forschung gibt es keine ultimativen Sicherheiten. Das gilt auch für alle anderen Grundlagen der Menschheit. Wenn es darum geht, diese Grundlagen zu bewahren, kann dies niemals mit rückwärts gewandter Haltung geschehen. Hier geht es darum, sich mit Mut und Vertrauen das Unbekannte zum Freund zu machen und menschlichere Zukünfte zu erfinden. Forschung oder künstlerisches Arbeiten entwickeln sich, indem sie Normativität ablehnen und darauf bestehen anders zu denken, im Widerspruch zu sein.
Wir können unsere Fähigkeiten einsetzen, neue Sichtweisen auf das menschliche Zusammenleben zu entwerfen. Jede Fachrichtung oder künstlerische Ausdrucksform bietet dafür eigene Gelegenheiten. Wir sollten uns dieser Chance bewußter werden und aufstehen als diejenigen, die wir sind und das einbringen was wir am besten können - für Freiheit und Selbstbestimmung in Wissenschaft und Kunst!

Berlin, im September 2019 REINIGUNGSGESELLSCHAFT (Henrik Mayer, Martin Keil)