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Offener Brief zur Zukunft der Werkdatenbank

Uns erreichte die Information, dass das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus kein Budget für unsere Werkdatenbank Bildende Kunst Sachsen im Entwurf des kommenden Doppelhaushaltes eingestellt hat. Wir haben mit einem offenen Brief an Frau Staatsministerin Barbara Klepsch reagiert und protestieren dagegen.

OFFENER BRIEF

des Landesverbandes Bildende Kunst Sachsen e.V.

An das
Sächs. Staatsministerium für Wissenschaft,
Kultur und Tourismus
Frau Staatsministerin Barbara Klepsch
  1. Februar 2021

 

Ein böses Omen für die sächsische Kunstlandschaft

Betr. Umgang mit Künstlernachlässen / Werkdatenbank Bildende Kunst Sachsen

 

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Barbara Klepsch,

als Landesverband, der nicht nur die Interessen der bildenden Künstler*innen selbst, sondern auch der kunstvermittelnden Träger im Blick hat, wenden wir uns in einem offenen Brief an Sie, um unsere (und Ihre) Bemühungen und Erfolge für sächsische Künstlernachlässe und die Werkdatenbank Bildende Kunst Sachsen zu retten.

Wir alle wissen: Die Situation der Künstler*innen aller Sparten ist prekär – derzeit, unter den Vorzeichen der Corona-Pandemie, mehr denn je. Mit den aktuell nahezu gänzlich fehlenden Veranstaltungs-, Darstellungs- und Verdienstmöglichkeiten sind die Perspektiven der nicht institutionell getragenen „Freien“ wenig ermutigend – selbst für die nähere Zukunft, denn die entstandenen individuellen Einnahmeverluste werden sich auch nicht durch neue Aufträge und berufliche Möglichkeiten ausgleichen lassen (derzeit ist manchmal selbst die Beschaffung von künstlerischen Arbeitsmaterialien zum fast unlösbaren Problem geworden). Mit Blick auf die hinlänglich bekannte Tatsache, dass selbständige freischaffende (bildende) Künstler*innen häufig durch die Raster staatlicher Coronahilfen gefallen sind und fallen, wagen wir es kaum noch, daran zu glauben, dass der Kunst seitens der Politik ein Augenmerk zuteil wird, das den Mehrwerten, die künstlerische Praxis produziert, nur annähernd gerecht wird.

Ein geradezu erschütterndes Signal staatlicher Gleichgültigkeit ist es da, erst aus dem aktuellen Doppelhaushaltsentwurf der Regierung zu erfahren, dass Ihr Ministerium das im eigenen Hause angestoßene Konzept zum Umgang mit Künstlernachlässen und insbesondere die Werkdatenbank Bildende Kunst Sachsen sterben lässt, indem Sie dafür keinerlei Finanzmittel mehr budgetieren. Das von uns zusammen mit dem Sächsischen Kultursenat in intensiver Arbeit entwickelte Ursprungskonzept mit den Förderinstrumenten Werkdatenbank, Koordinierungsstelle Künstlernachlässe, Fachbeirat und Förderprogramm war bundesweit beispielhaft und findet überregional große Beachtung, z.B. auch in der ad-hoc- Arbeits-gruppe „Künstlernachlässe“ der Kultusministerkonferenz.

Eine langjährige, in gegenseitigem Respekt und Vertrauen konzipierte und mit erheblichem finanziellem und personellem Einsatz vorangebrachte Entwicklung wird jetzt einfach beiseite gewischt. Dabei ist es hochgradig enttäuschend, dass man uns, als inhaltlich begleitenden Landesverband, im Bemühen um die Stärkung des Kulturlebens und der Perspektiven der sächsischen Kunstlandschaft von Seiten des Ministeriums offensichtlich nicht als ernstzunehmenden Partner begreift und noch nicht einmal angemessen oder vorab über die geplante Streichung gemeinsamer Projekte informiert. Die Mitarbeiterinnen der Koordinierungsstelle bspw. erfuhren fast bis zum Ende ihrer Vertragslaufzeit nicht offiziell, ob das Projekt weiter bestehen würde, und wir erfahren von den weiteren Streichungen jetzt im begonnenen Jahr der laufenden Arbeit.

Wenn Sie ein nach langjähriger gemeinsamer Entwicklungsarbeit von SLUB, SMWKT und LBK fertig-gestelltes und unter vielfachem nationalen Interesse Ende vergangenen Jahres vorgestelltes, webbasiertes Datenbankinstrument mit bereits tausenden eingetragenen künstlerischen Werken sächsischer Künstler*innen mitten im Arbeitsprozess scheitern lassen, ist das nicht nur für uns ein Zeichen des Desinteresses an der vielfältigen bildenden Kunstlandschaft in Sachsen jenseits der Leuchtturmprojekte. Vielmehr erstaunt diese Gleichgültigkeit gerade auch in der aktuellen Situation, wo allerorten von Digitalisierung und der Schaffung von virtuellen Plattformen für Künstler*innen die Rede ist.

Hier findet in keiner Weise Zusammenarbeit mit der Basis der Kulturarbeit oder Kommunikation auf Augenhöhe statt. Vielmehr stehen wir nun als Landesverband mit dem umfänglichen Projekt „Werkdatenbank“ und den prekär darin Beschäftigten allein im Regen und werden so unserer Handlungsfähigkeit (auch gegenüber den vielen beteiligten Künstler*innen) beraubt. Eine solche Vergeudung von kulturellem Einsatz und Potenzial ist kontraproduktiv und kann sich das (Kultur)Land Sachsen nicht leisten, zumal bei dem Anspruch konservativ-bewahrenden Umgangs mit kulturellem Erbe.

Die Koordinierungsstelle Künstlernachlässe ist ein Projekt, das mit einzelnen erreichten Ergebnissen und Bedarfsanalysen noch am Beginn eines Arbeitsprozesses stand. Ein solches Vorhaben lässt sich unter Umständen später wieder aufnehmen. Die Werkdatenbank hingegen ist ein eingeführtes laufendes Projekt, welches auf den langfristigen Betrieb ausgelegt ist und neben der Entwicklungsleistung stets technische und inhaltliche Betreuungskosten beim Regelbetrieb vorausgesetzt hat, die als externe Dienstleisterkosten unverzichtbar sind und ohne die derzeit ca. 18.000 bereits eingetragenen bildkünstlerischen Werke im digitalen Nirwana verschwinden werden - zu einem Zeitpunkt, an dem gerade das digitale "Werkverzeichnis Bildende Kunst Thüringen" startete, wie die Thüringer Staatskanzlei aktuell mitteilte.

Wir appellieren dringend an Sie, dem Schaden, den eine kulturpolitische Kehrtwende intern wie in der Außenwahrnehmung anrichtet, durch eine noch mögliche Korrektur zu begegnen und Mittel zumindest für die Werkdatenbank Bildende Kunst Sachsen in den Haushalt einzustellen. Sie ist ein höchst effektives Instrument, sowohl Künstler*innen in ihrer Sichtbarkeit zu unterstützen als auch den Freistaat Sachsen mit seiner reichen Kunstlandschaft nach außen vielfältig zu präsentieren und attraktiv zu gestalten.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Till A. Baumhauer (1. Vorsitzender; auch im Auftrag der Stellvertreter*innen Simone Heller und Marcel Noack)

 

Ausdrücklich unterstützt durch:

Deutscher Kunstrat, Dagmar Schmidt, Wolfgang Suttner

Bundesverband Künstlernachlässe e.V., Prof. Dr. Gora Jain, Silvia Köhler

Sächsischer Kultursenat

Private Künstlernachlässe im Land Brandenburg e.V. Jana Zadow-Dorr stellv. Vorsitzende:

Der Verein "Private Künstlernachlässe im Land Brandenburg e.V." hielt es für beispielhaft, dass das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst im Freistaat Sachsen die vom Landesverband Bildende Kunst Sachsen betreute Künstler-Werkdatenbank auf der Grundlage einer im April 2019 verabschiedeten Konzeption förderte.* Am 16. Dezember 2020 wurde das Pilotprojekt zur Künstlernachlasssicherung im Freistaat Sachsen öffentlich als avancierter Verbund zwischen dem Landesverband Bildende Kunst Sachsen e.V. und der Deutschen Fotothek in der SLUB Dresden - gefördert vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst - bekannt gegeben und mit der Freischaltung der neuen Version der bisherigen Werkdatenbank untermauert. Wir haben diese Präsentation als Beglaubigung eines langen Atems der beteiligten Akteure verstanden. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist jedoch die weitere kontinuierliche Förderung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Diese Verantwortung zu haben, aber 2021 nicht mehr wahrzunehmen, ist in unseren Augen fahrlässig und führt die Vorgeschichte seit 2019 ad absurdum.

* Uns ist ein Einblick in den Abschlussbericht der 2018/2019 tätigen ad-hoc-Arbeitsgruppe "Künstlernachlässe" der Kultusministerkonferenz nicht gewährt worden. Darin sind die Empfehlungen für den zukünftigen Umgang mit Künstlernachlässen in den Bundesländern zusammengefasst.

Künstlernachlässe Mannheim, Silvia Köhler, Dr. Susanne Kaeppele, Dr. Christine Schu-mann [zitiert aus Präsentation am 16.12.20]:

„Sachsen ist das Bundesland, wirklich das einzige, was sehr, sehr weit ist. Es ist eine phantastische Arbeit, die bis jetzt geleistet worden ist, mit sehr viel persönlichem Engagement. Das muss man unbedingt fortsetzen.“