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Künstlernachlässe in Sachsen - aktuelle Perspektiven

Zur im CDU/SPD-Koalitionsvertrag 2014 bis 2019 genannten Aufgabe einer „Standortkonzeption für die Sicherung von Vor- und Nachlässen sächsischer Künstler“ und einer „Datenbank über die Werke sächsischer Kunstschaffender“ gibt das SMWK folgenden Stand an:

Um das in den Kunstwerken gespeicherte Erleben, Fühlen und Wissen der Künstlergenerationen von gestern und heute zu bearbeiten, zu ordnen und nutzbar zu halten, soll der Bewahrung von Künstlernachlässen mehr Aufmerksamkeit zukommen. Der Verbleib von Kunst und die Entscheidung, was bewahrenswert ist, ist nicht allein die privatvorsorgende Aufgabe von Künstlern und ihren Erben. Ein gesellschaftliches und öffentliches Interesse an Künstlernachlässen entspricht dem Selbstverständnis der Kulturnation Deutschland und des Kulturlands Sachsen. 

In den bisherigen Überlegungen und Gesprächen in Sachsen ist es gelungen, die wesentlichen sächsischen Akteure auf ein Programm zu orientieren, bei dem die Einrichtung dezentraler Depots in nichtstaatlicher Trägerschaft gefördert wird.  Das SMWK erarbeitet eine Konzeption mit folgenden Elementen: • Beratungseinrichtung • Fördereinrichtung • Förderprogramm • Beirat • sowie eine Künstlerdatenbank.

Beratungs- und Fördereinrichtung sollen gemeinsam, angegliedert an eine geeignete Einrichtung, eingerichtet werden. Außerdem soll ein Förderprogramm aufgelegt werden, um Künstler, Erben, Vereine und Museen bei der Bearbeitung von Vorlässen (Lebenswerk zu Lebzeiten) und Nachlässen zu unterstützen. Vorhandene Kapazitäten, Erfahrungen und Expertisen vor allem der sächsischen (nichtstaatlichen) Museen sind einzubeziehen und zu stärken. Der Beirat aus Fachleuten soll eine Auswahl unter den Nachlässen treffen, für die Fördermittel ausgegeben werden sollen, sowie Vorschläge machen, was mit welchen Werkteilen geschehen soll. Das Förderprogramm soll Folgendes ermöglichen und unterstützen: • Beratung von Künstlern und Nachlasshaltern • Erfassung und (kunstwissenschaftliche) Aufarbeitung („Fliegende Kuratoren“) • Aufbau einer komplexen und nachhaltigen Werkdatenbank • Öffentlichkeitsarbeit, etwa durch Kataloge und andere Veröffentlichungen online und offline, Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen • Vermittlung der Nachlässe, auch teilweise, auch leihweise, an geeignete bewahrende und ihrerseits mit ihnen arbeitende Einrichtungen wie Museen

Die Beratungseinrichtung und das Programm sollen zunächst als Pilotprojekt erprobt werden.  Es wird kein zentrales, kein in Trägerschaft des Freistaates Sachsen liegendes Depot geben, sondern die Nachlässe sollen bedarfsweise in inhaltlich und regional geeigneten Depots in ganz Sachsen, auch in ländlichen Räumen, unterkommen. Eventuell können in Notfällen Nachlässe zeitweise angemietet werden, um sie zu „retten“ und bis zu einer endgültigen Unterbringung aufzubewahren. Eine dauerhafte Förderung von einzelnen Nachlässen oder Depots ist nicht geplant.

Werkdatenbank sächsischer Kunstschaffender, als Instrument für die Künstler parallel zur Schaffung des Lebenswerkes sowie als virtuelles Nachlassdepot: Diese wird bei der SLUB/Fotothek eingerichtet. Sie baut auf einer Vorgängerin auf, die der Landesverband Bildende Kunst Sachsen auf Grundlage einer von einem Verein aus Brandenburg übernommenen Datenbank erarbeitet hat. Die endgültige Datenbank ist eine Neuentwicklung, eine noch deutlich komplexere Datenbank, nachhaltig und für Fachleute vielseitig nutzbar nach professionellen Kriterien sowie für eine Vielzahl Eingebender. Sie wird zur Zeit bei der SLUB aufgebaut und soll im ersten Halbjahr 2019 in den Regelbetrieb gehen. 

Im Doppelhaushalt 2019/2020 sind für die Künstlerdatenbank und die Künstlernachlässe 417.500 Euro im Jahr 2019 und 430.000 Euro im Jahr 2020 eingestellt.