Künstlerische Nachlässe

In den letzten Jahren ist das Thema der Künstlernachlässe in der Fachöffentlichkeit mit wachsender Intensität diskutiert worden. Insbesondere die organisierte Künstlerschaft drängt auf stärkere Verantwortung der öffentlichen Hand. Die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aktiven Künstler versterben und lassen teils ratlose Erben zurück. Weitere aktive Künstlergenerationen in immer dichter besetzten Jahrgängen sind nachgewachsen und sehen sich allmählich selbst vor der Frage: Wohin mit dem Nachlass?

Museen, Archive oder andere im Prinzip geeignete Einrichtungen sehen sich aufgrund ihrer speziellen Aufgaben oft überfordert, mehr als nur einzelne, ausgewählte Arbeiten aus angebotenen Nachlässen aufzunehmen. Wo auch die Mechanismen des Kunstmarktes nicht greifen, droht eine Überforderung der Erben, falls solche überhaupt zur Verfügung stehen, und eine Zerstörung des Lebenswerks vieler Kunstschaffender.

Daher fand am 12.September 2017 ein Perspektivenworkshop in Königshain statt, den der Landesverband Bildende Kunst und der Sächsische Kultursenat unter Mitwirkung des Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien organisiert haben, initiiert und beauftragt vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK). An ihm nahmen etwa 60 Vertreter unterschiedlicher Einrichtungen aus ganz Sachsen teil. Hier wurden verschiedene Möglichkeiten des Umgangs mit Künstlernachlässen diskutiert und die damals im Aufbau befindliche Künstler-Werkdatenbank beim Landesverband Bildende Kunstvorgestellt. Im Ergebnis dieser Tagung wurden vom Landesverband Bildende Kunst und dem Sächsischen Kultursenat miteinander korrespondierende Konzeptions-Papiere verfasst.

Mit dieser Grundlage hat das SMWK ein Konzept erarbeitet, das nun umgesetzt wird.

Bearbeitung des Nachlasses von Klaus Hirsch. Foto: Daniela Schleich.

Bedarfsanalysen zur Nachlasssicherung

Das bis zum 31. Dezember 2020 befristete Pilotprojekt zur Künstlernachlasssicherung im Freistaat Sachsen an der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen hat zwei Umfragen zur Bedarfsanalyse sowohl unter bildenden Künstler:innen als auch unter Nachlasshalter:innen erstellt. Ziel beider Umfragen war es, die gegenwärtige Situation, die tatsächlichen Beratungs- und Handlungsbedarfe und damit zusammenhängende Fragestellungen, insbesondere von nachlassbewahrenden und nachlasspflegenden Personen, Künstler:innen und Institutionen, wie Museen, Bibliotheken und Archiven zu ermitteln. Die Ergebnisse sind in zwei Broschüren zusammengestellt, die zum Download bereitgestellt werden:

Bedarfsanalyse Sachsen Nachlasssicherung Künstler:innen

Bedarfsanalyse Sachsen Nachlasssicherung Nachlasshalter:innen

Die Ergebnisse beider Bedarfsanalysen wurden zudem in einer online-Veranstaltung am 16. Dezember 2020 vorgestellt, die der LBK gemeinsam mit dem Pilotprojekt und der Deutschen Fotothek an der Sächsischen Landes,- Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) veranstaltet hat. Neben den Umfragen und einem ersten Erfahrungsbericht des Pilotprojektteams wurde dort auch die von der SLUB neu entwickelte Werkdatenbank Bildende Kunst Sachsen und deren fachliche Betreuung und inhaltliche Präsentation durch den LBK vorgestellt.

Hier können Sie die gesamte Veranstaltung noch einmal erleben.

Leistungen des Landesverbandes Bildende Kunst e.V.

Mit unserem Verband bieten wir im Rahmen der Datenbank Hilfestellung bei der digitalen Erfassung und Sichtbarmachung von Werkbeständen bzw. eines repräsentativen Ausschnittes davon. Damit kann eine Übersicht über die Werke sächsischer Künstler:innen hergestellt und zumindest als virtuelle Bestandserhaltung über unsere Datenbank wirksam werden.

Bitte wenden Sie sich bei Interesse an uns.

Bearbeitung des Nachlasses von Klaus Hirsch. Foto: Daniela Schleich.