Künstlerische Nachlässe

In den letzten Jahren ist das Thema der Künstlernachlässe in der Fachöffentlichkeit mit wachsender Intensität diskutiert worden. Insbesondere die organisierte Künstlerschaft drängt auf stärkere Verantwortung der öffentlichen Hand. Die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aktiven Künstler versterben und lassen teils ratlose Erben zurück. Weitere aktive Künstlergenerationen in immer dichter besetzten Jahrgängen sind nachgewachsen und sehen sich allmählich selbst vor der Frage: Wohin mit dem Nachlass?

Museen, Archive oder andere im Prinzip geeignete Einrichtungen sehen sich aufgrund ihrer speziellen Aufgaben oft überfordert, mehr als nur einzelne, ausgewählte Arbeiten aus angebotenen Nachlässen aufzunehmen. Wo auch die Mechanismen des Kunstmarktes nicht greifen, droht eine Überforderung der Erben, falls solche überhaupt zur Verfügung stehen, und eine Zerstörung des Lebenswerks vieler Kunstschaffender.

Daher fand am 12.September 2017 ein Perspektivenworkshop in Königshain statt, den der Landesverband Bildende Kunst und der Sächsische Kultursenat unter Mitwirkung des Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien organisiert haben, initiiert und beauftragt vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK). An ihm nahmen etwa 60 Vertreter unterschiedlicher Einrichtungen aus ganz Sachsen teil. Hier wurden verschiedene Möglichkeiten des Umgangs mit Künstlernachlässen diskutiert und die damals im Aufbau befindliche Künstler-Werkdatenbank beim Landesverband Bildende Kunstvorgestellt. Im Ergebnis dieser Tagung wurden vom Landesverband Bildende Kunst und dem Sächsischen Kultursenat miteinander korrespondierende Konzeptions-Papiere verfasst.

Mit dieser Grundlage hat das SMWK ein Konzept erarbeitet, das nun umgesetzt wird.

Bearbeitung des Nachlasses von Klaus Hirsch. Foto: Daniela Schleich.

Pilotphase zur Förderung von Künstlernachlässen

Am 12.04.2019 startete die Pilotphase zur Förderung von Künstlernachlässen vom Land Sachsen. Hierfür sind im aktuellen Doppelhaushalt in diesem Jahr 57.500 Euro und im kommenden Jahr 250.000 Euro eingestellt.

Die dafür eigens eingerichtete Nachlasseinrichtung für Beratung und Förderung ist bei der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen beheimatet. In der Pilotphase 2019/20 gibt sie Fördermittel für gemeinnützige nichtstaatliche Museen und museumsnahe Einrichtungen heraus im Rahmen der Förderrichtlinie Kunst und Kultur in der seit 5. April 2019 geltenden überarbeiteten Fassung vom 18. März 2019. Sie sollen den Einrichtungen ermöglichen, Künstlernachlässe durch Experten bearbeiten zu lassen und Kernbestände aus Nachlässen übernehmen zu können.

Die Museen können damit einen Antrag für konkrete Fördermaßnahmen stellen, etwa für die Sichtung des Werkes, die Definition eines repräsentativen Kernkonvoluts sowie die wissenschaftliche Erschließung und Eingabe in die Werkdatenbank. Ggf. werden weitere Maßnahmen gefördert, die der Einrichtung das Aufnehmen der Kunstwerke erleichtern, zum Beispiel die Anschaffung von Mobiliar wie Vitrinen oder Grafikschränken, die Restaurierung einzelner Werke sowie eine Ausstellung. Die aufnehmende Einrichtung muss dabei einen angemessenen Eigenanteil aufbringen .

Förderfähig sind ausschließlich Nachlässe, die durch Kauf oder Schenkung ins Eigentum der Antragssteller übergegangen sind. 

Ab 2020 soll es dann eine eigene Förderrichtlinie für Künstlernachlässe geben, in der der Kreis der Antragsteller über nichtstaatliche Museen hinaus erweitert werden soll.

Antragsformulare und -fristen

Anträge für dieses Jahr können bis zum 30. Juni 2019 an die Landesstelle für Museumswesen gestellt werden. Die Mittelbeantragung für das Jahr 2020 ist bis 15. Oktober 2019 möglich.

Ein Antrag auf förderunschädlichen vorzeitigen Maßnahmebeginn kann auf eigenes Risiko gestellt werden. Baumaßnahmen und Mieten werden nicht gefördert.

Antragsformulare sind hier oder über das Büro der Landesstelle für Museumswesen erhältlich.

Bitte setzen Sie sich mit der zuständigen Bearbeiterin der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Frau Ulrike Modersohn-Josch in Verbindung. Auch für alle Künstler*innen und Erb*innen steht die Stelle als Ansprechpartner offen.

Leistungen des Landesverbandes Bildende Kunst e.V.

Mit unserem Verband leisten wir im Rahmen der Datenbank Hilfe bei der Ordnung von Werkbeständen und nehmen in dringenden Fällen kunstwissenschaftlichen Grundsicherungen vor. Mit der Klassifizierung von Teilwerkbeständen durch unsere Fachexpertise kann eine repräsentative Übersicht über ein Werk hergestellt und zumindest als virtuelle Bestandserhaltung über unsere Datenbank wirksam werden. Bitte wenden Sie sich bei Interesse an uns.

Für alle betreuten und bearbeiteten Werk- und Teilwerkbestände gilt das Anliegen, dass sie in bestehende Sammlungen vermittelt und dort lebendig bleiben sollen.

Bearbeitung des Nachlasses von Klaus Hirsch. Foto: Daniela Schleich.